Burgbergkapelle

Kapelle um 1900
Kapelle um 1900
Katholische Kirche Bieber - Pfarrei Mariae Geburt

Die wechselvolle Geschichte unserer Glocken

Seit dem Bau unserer Kirche hängt nun schon die dritte Glockengeneration in unserem Kirchturm. Als die Kirche kurz vor der Fertigstellung stand, schrieb man einen Brief an das bischöfliche Domkapitel.
„Unser Ansicht in Betracht den Glocken für die neue Kirche ist die, dass man die beiden in der Burgberger Kirche hängenden Glocken in die neue Kirche verwende und zu diesen auch eine dritte Größere gießen lasse, in dem zwei bei weitem zu klein sind, um in dem ganzen fast auf eine halbe Stunde sich ausdehnenden Dorfe gehört werden zu können.
Für die später als Wallfahrtskapelle zu betrachtende Kirche zu Burgberg würde ein Glöckchen von unbedeutender Größe hinreichend sein“, hieß es in dem Schreiben.
Das Domkapitel stimmte dem Vorschlag zu und forderte, dass die beiden Bronzeglocken der Burgbergkirche in die neue Pfarrkirche umgehängt werden.
Der Kirchbauverein forderte zwar die Genehmigung einer dritten größeren Glocke für die Pfarrkirche, jedoch wird diese aufgrund des damaligen hohen Metallpreises abgelehnt. Nur eine kleine Glocke mit 80 Pfund (36 kg) für die Burgbergkirche wird bewilligt. Der Kirchbauverein beauftragte den Glockengießer Bach aus Windecken, die kleine Glocke zu gießen und außerdem die beiden alten Glocken aus der Burgbergkirche in die neue Kirche zu hängen.
Die beiden Burgbergglocken hatten einen Durchmesser von 33 und 30 Zoll und wurden in den Jahren 1725 und 1727 gegossen.
Im ersten Weltkrieg wurden die beiden Glocken der Pfarrkirche zwar vom Kriegsministerium erfasst, sie wurden aber verschont.
Allerdings fiel im Jahre 1920 beim Läuten die große Glocke aus 1725 herunter. Daraufhin beschloss der Kirchenvorstand, die beiden Glocken der Pfarrkirche und das Glöckchen der Burgbergkirche einzuschmelzen und daraus drei neue Glocken gießen zu lassen.
Den Auftrag für die drei neuen Bronzeglocken bekam die Glockengießerei Otto aus Bremen-Hemelingen.
Die neuen Glocken mit den Tönen c''; es'' und f'' trugen folgende Inschriften:

Erlöserglocke (die Größte, gestimmt in c'')
„Erlöser bin genannt ich, Gottes Lob verkünd' ich, der Menschen Heil ersehn ich.“

Marienglocke (die Zweitgrößte, gestimmt in es'')
„Maria heiß ich, Patronin dieser Kirche bin ich, zum Gottesdienst ruf ich.“

Laurentiusglocke (die Kleinste, gestimmt in f'')
„Laurentius man nennt mich, zur Taufe erschall ich, die Toten beklag ich.“

Bis zum Jahre 1940 läuteten nun die drei Otto-Glocken aus dem Jahre 1920 im Kirchturm der Pfarrkirche.
Aber dann kam der zweite Weltkrieg und die Erlöserglocke, die Marienglocke und die neue, erst sechs Jahre alte Burgbergglocke, die vom Männerverein angeschafft wurde, mussten zu Rüstungszwecken abgeliefert werden.
Die Firma Prasch aus Roßbach baute die Glocken aus und im Jahre 1942 wurden die Glocken abgeliefert.
Nach dem Krieg versuchte man zwar, die Glocken zu reklamieren, in der Hoffnung, sie wären nicht eingeschmolzen worden, doch es war zu spät.
Nur die kleinste Glocke, die Laurentiusglocke, die aufgrund ihrer relativ kleinen Größe von ca. 120 Kilogramm nicht abgeliefert werden musste, verblieb im Turm der Pfarrkirche.
Sie wurde später vom Turm geholt und kam in den Turm der Burgbergkapelle, wo sie bis heute zu den Gottesdiensten ruft.
Mittlerweile schrieb man das Jahr 1948 und die Pfarrkirche hatte keine Glocken mehr. Die Mitglieder des Pfarrgemeinderates waren sich einig: Da musste etwas geschehen!
Man holte sich Angebote für neue Bronzeglocken der Gießereien Petit & Edelbrock aus Gescher und von Otto aus Bremen ein. Da Bronzeglocken aber ziemlich teuer waren, holte man sich auch Angebote für Gussstahlglocken des Stahlwerks „Bochumer Verein“ und für Glocken aus Eisenhartguss von der Firma Weule aus Bockenem ein.
Diese waren zwar viel günstiger als Bronzeglocken, hatten aber dafür nicht einen solch reinen, lang anhaltenden Klang.
Da man aber Angst hatte, dass bald wieder ein Krieg sein Unwesen treiben könnte, entschloss man sich dafür, vier Stahlglocken vom Bochumer Verein aus Bochum gießen zu lassen, denn Stahlglocken mussten nicht abgeliefert werden, da deren Einschmelzen zu kompliziert wäre. Man könnte ja in besseren Zeiten wieder über ein Bronzegeläut nachdenken.
Mit dem damaligen Pfarrer Henkel entschloss man sich dafür, vier Stahlglocken anzuschaffen, die in den Klängen des vereinigten Gloria und Te Deum, dem sogenannten Idealquartett, erklingen sollten.
Das Gesamtgewicht der neuen Stahlglocken betrug 3.115 kg. Der Glockenstuhl für die neuen Glocken bauten ein paar Schmiede aus Bieber nach den Vorlagen des Bochumer Vereins. Der Architekt Ernst Weber zeichnete eine Statik für den Kirchturm.
Der Zusammenbau des Glockenstuhls erfolgte direkt auf dem Kirchturm.
Dann kam der lang ersehnte Höhepunkt. Die Bochumer Stahlglocken trafen am 27. August 1949 mit einem großen Lastzug in Bieber ein. Sie tragen folgende Inschriften:

Christus (die Größte, gestimmt in fis')
„Christus, unser König“
Bochumer Verein 1949

Maria (die Zweitgrößte, gestimmt in a')
„Maria, unsere Mutter“
Bochumer Verein 1949

Joseph (die Drittgrößte, gestimmt in h')
„St. Joseph, unser Vorbild“
Bochumer Verein 1949

Laurentius (die Kleinste, gestimmt in d'')
„St. Laurentius, unser Patron“
Bochumer Verein 1949

Am Sonntag, den 28. August 1949, dem Tag der Glockenweihe, war die ganze Gemeinde auf den Beinen. Die Glocken waren in einem Holzgerüst vor der Kirche aufgestellt worden. Bischof Johannes Dietz aus Fulda weihte die neuen Stahlglocken und am nächsten Tag wurden sie unter Anleitung eines Glockenmonteurs in den Turm aufgezogen, wo sie in ihren Glockenstuhl eingebaut wurden. Daraufhin erklangen die Glocken zu einem festlichen Geläut.
Bis zum Jahre 1964 wurden die Glocken per Hand von den Ministranten geläutet, danach übernahmen elektrische Läutemaschinen den Dienst des Glockenläutens. Die Glocke der Burgbergkapelle wird jedoch bis heute noch mit reiner Muskelkraft per Seil geläutet. Es würde sich nie und nimmer lohnen, dort eine elektrische Läutemaschine einzusetzen, da die Glocke sowieso nur ein paar Mal im Jahr geläutet wird.
Trotz dass unsere Glocken aus Stahl gefertigt sind, klingen sie jedoch sehr schön, besonders die große Glocke hat einen für Stahlglocken sehr ungewöhnlichen langen Nachhall.
Aber wer weiß, vielleicht bekommen wir irgendwann einmal wieder Bronzeglocken?



(TONBEISPIEL: Hören Sie und überzeugen Sie sich selbst: Unsere Stahlglocken klingen sehr schön. Hier unten können Sie sich unsere Glocken in einem Tonbeispiel anhören.)



Niklas Grob


Audioclip der Glocken: © by Niklas Grob


Für diese Aufnahme wurden die Glocken durch Niklas Grob geläutet.

Die vier Stahlglocken der Pfarrkirche Mariae Geburt. Bild: Niklas Grob
Die vier Stahlglocken der Pfarrkirche Mariae Geburt. Bild: Niklas Grob
Die große Glocke. Inschrift: "Christus, unser König". Die Glocke hat einen Durchmesser von 1,34 Meter. Bild: Niklas Grob
Die große Glocke. Inschrift: "Christus, unser König". Die Glocke hat einen Durchmesser von 1,34 Meter. Bild: Niklas Grob
Die zweitgrößte Glocke. Inschrift: "Maria, unsere Mutter". Bild: Niklas Grob
Die zweitgrößte Glocke. Inschrift: "Maria, unsere Mutter". Bild: Niklas Grob
Die Inschrift der drittgrößten Glocke. An diesem Bild sieht man gut die verkröpfte Aufhängung der Glocke. Bild: Niklas Grob
Die Inschrift der drittgrößten Glocke. An diesem Bild sieht man gut die verkröpfte Aufhängung der Glocke. Bild: Niklas Grob
Glocke 4 (links) und Glocke 2 (rechts). Bild: Niklas Grob
Glocke 4 (links) und Glocke 2 (rechts). Bild: Niklas Grob
BVG 1949 - Bochumer Verein für Gusstahlfabrikation, gegossen im Jahre 1949. Bild: Niklas Grob
BVG 1949 - Bochumer Verein für Gusstahlfabrikation, gegossen im Jahre 1949. Bild: Niklas Grob

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Pfarrkirche in Bieber

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Pfarrkirche, Pfarrheim und Pfarrhaus 2013
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Pfarrkirche Mariae Geburt
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